Alle Artikel von Bernhard Griessler

Ausgabe 698 – Jänner 2021

Nur ein Prozent.

Die Stadt wächst behutsam und um rund 0,8 Prozent im Jahr. Nicht einmal 1 Prozent qualitatives Wachstum ist jedenfalls genau so viel, dass die Stadt nicht schrumpft. Das würde nämlich bedeuten, dass zentrale Institutionen von Medizin bis Handel nicht hier bleiben könnten oder sich gar nicht erst ansiedeln.

Für manche ist das aber vor der Wahl plötzlich zu viel – die gleichen, denen vor einigen Jahren 1,4 Prozent Wachstum zu wenig war. „Da geht mehr“, hieß es damals noch. Einige Prozent Verlust bei der letzten Wahl führten zum Strategiewechsel.

Jetzt heißt es von den gleichen Personen: „St. Pölten muss St. Pölten bleiben.“ Gemeint ist jenes St. Pölten, das in den letzten 16 Jahren von Bürgermeister Matthias Stadler gestaltet wurde. Ein klarer Plan für die Zukunft und seine Liebe zur Landeshauptstadt überzeugten die St. PöltnerInnen.

Ideen, wie freier Zugang zu den Viehofner Seen oder der Kampf um das 140 ha große Naherholungsgebiet beim GÜPL bestätigten das Stadtoberhaupt in seiner Arbeit. Nun präsentiert er weitere Visionen für die St. PöltnerInnen, wie einen naturnahen See im Süden oder einen zusätzlichen Park im Norden.

Ein Prozent kann entscheiden, ob es mit Konzept und Weitblick weitergeht, oder ob auch St. Pölten ein türkises Fähnchen im Wind der großen Landes-Volkspartei wird, wo bereits jetzt fast 70 Prozent aller neuen Wohnungen von ÖVP-nahen Genossenschaften gebaut werden.

Ihr Stadtwolf

Ausgabe 692 – Dezember 2020

Ein Lichtlein brennt.

Advent, Advent! In St. Pölten sorgen neuerdings abertausende Lichtpunkte aus biologischem Material für eine besonders stimmungsvolle Vorweihnachtszeit. Beinahe 600 sind es, die alleine den 20 Meter hohen Christbaum am Rathausplatz erhellen. Dieses Licht der neuen Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt soll Wärme und Zuversicht zu den Menschen bringen: nach dem zweiten Lockdown ein Stück Normalität in diesem ganz besonderen Jahr. Bei vielen kleineren Geschäften in Österreich sind nun endgültig die Lichter ausgegangen.

Und auch auf den Bühnen der Alpenrepublik ist es noch immer finster und still. Gleichsam strahlten die ganze Zeit über die Werbereklamen großer Konzerne bis in unsere Wohnzimmer und luden im Kanon von Globalisierung und Turbokapitalismus zu Online-Shopping bei chinesischen und amerikanischen Ramschläden.

Fast ein Jahr nach Beginn der Pandemie – und viele gefährdete Existenzen und Arbeitslose mehr – wurden nun Bundesregierung und Wirtschaftskammer tätig: Ein heimischer Onlineshop sollte kommen. Ein digitales Kaufhaus für Österreich, um die Konkurrenz aus den Karibik-Steueroasen zurückzudrängen. Leider waren in die Umsetzung nicht die hellsten Lichter eingebunden, und so blieb von diesem 600.000 Euro-Projekt nur viel Schein – und ein schaler Beigeschmack.

Ihr Stadtwolf

Ausgabe 689 – Oktober 2020

Gut geschlafen?

Gerade vor Wahlen werden ja auch in St. Pölten immer Personen und Interessensgruppen munter, die sonst das ganze Jahr über eher durch Abwesenheit brillieren. Dann nämlich zeigen sich die seltenen Exemplare der Spezies Politiker in ihrem buntesten Kleid: Von grün bis rosa sind diese „besseren Zweitwohnsitzer“ gekleidet und buhlen mit schreierischen Pressemeldungen um Stimmen und KandidatInnen für eine Wahl, die es noch gar nicht gibt. In der Landeshauptstadt nimmt dieses Schauspiel gar solche Ausmaße an, dass dieses Phänomen nämlich schon erkennbar ist, bevor noch ein Wahltermin feststeht. Dabei rütteln die LegionärInnen einander mit schrillen Rufen wach, sodass auch für niemanden mehr an Ruhe zu denken ist.

Wir St. PöltnerInnen lassen uns von schrillen Rufen und bunten Farben nicht vom Wesentlichen ablenken. Wir wissen, wer sich Tag und Nacht für unsere Anliegen und unsere Stadt einsetzt.

Wie ein schlechter Traum wirkt jedoch dabei ein ganz besonderer Ruf: Die Grünen, selbst in der Bundesregierung vertreten, rufen Gemeinden dazu auf, Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen. Und das, obwohl die Gemeinden dies in Eigenregie gar nicht dürfen und gerade die Grünen nur einen entsprechenden Beschluss im Bund fassen müssten: Ein Albtraum, wie hier zynisch politisches Kleingeld gewechselt wird. Gute Nacht!

Ihr Stadtwolf

Ausgabe 686 – Juni 2020

Koste es, was es wolle

Hunderte Millionen sollten es sein, die Gewerbe in Österreich – und damit verbunden unzählige Existenzen – sichern. „Koste es, was es wolle“, wurde zum Beginn der Coronakrise von der Bundesregierung verlautbart. Nun, etwa hundert Pressekonferenzen des Kanzlers später, wissen wir: Fast alle kleinen bis mittelgroßen Unternehmen warten noch immer auf die versprochene Hilfe. Die Folge: So viele Arbeitslose, wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr, unzählige weitere ArbeitnehmerInnen in Kurzarbeit und zahlreiche Selbständige hoch verschuldet oder vor dem wirtschaftlichen Ruin. Wie viel ist also „koste es, was es wolle“? Für das deutsche Unternehmen „Lufthansa“ mit der Tochter „AUA“ ganz konkret 450 Millionen Euro. Diese Riesensumme österreichisches Steuergeld wird ohne wesentliche weitere Bedingungen überwiesen, während kleine regionale Unternehmen hingehalten werden. Politik für die Vielen sieht anders aus. Die Wenigen, die davon konkret profitieren, sind übrigens die Aktionäre der Fluggesellschaft, die sich auch künftig über satte Dividendenauszahlungen freuen dürfen, während der kleine Masseur ums Eck womöglich aus der Wohnung fliegt. Nun sind Taten gefragt! Das kleine St. Pölten zeigt vor, wie es gehen kann. Der Bund sollte schleunigst nachziehen!

Ihr Stadtwolf