Ausgabe 732 – September 2022

Deckel drauf!

Wir sollen ab sofort auf das Vorspülen beim Geschirr verzichten, ließ uns die Regierung erst kürzlich wissen. Die grüne Umweltministerin präzisierte weiter, dass das Kochen mit Deckel am Topf nun das Gebot der Stunde wäre.

Wir alle dürfen uns von unserer demokratisch gewählten Führung in einer solchen Krise mehr erwarten als derlei Belehrungen.

Während mit Steuergeld nun finanzielle Zuckerl ohne sozial sinnvolle Staffelung verteilt werden, gibt es auf strategischer Ebene seit Wochen nichts Neues. Konzepte zur Deckelung des Strompreises oder eine Entkoppelung des Gases vom Stromindex sind lediglich als Schlagzeilen auf Partei-Websites zu finden. Die Preise steigen indes weiter, für viele Menschen wird der Winter zu einer existenziellen Notlage führen. In der Regierung wird indes über die Auszahlung der Wahlzuckerl an (nicht wahlberechtigte) Asylwerber diskutiert: nur noch mehr heiße Luft.

Währenddessen bleiben zahlreiche Fragen mit relevanten Auswirkungen unbeantwortet: etwa ob nun die wahren Energieverbraucher – die Skilifte und Schneekanonen – ausbleiben.

Vielleicht wird es ja doch noch ein warmer Winter und alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Ihr Stadtwolf

Ausgabe 725 – Juni 2022

Sein, wie man ist

Vor über 50 Jahren kam es zu einem Vorfall der inzwischen als Meilenstein der LGBTIQ+ Bewegung gilt: einem Aufstand von queeren Menschen gegen Polizeiwillkür in den USA. Seitdem wird traditionell der Monat rund um diesen „Christopher Street Day“ als Pride-Month gefeiert. Oder anders gesagt: Menschen mit unterschiedlicher sexueller Identität oder Orientierung feiern die Vielfalt in der Gesellschaft und machen dabei auf die Interessen von u.a. Homo- oder Transsexuellen aufmerksam. Eine Kernaussage dabei: „Alle sollen so sein können, wie sie es möchten.“

In St. Pölten wird dieser Zugang schon lange gelebt, worauf auch mit dem internationalen Unterstützungszeichen – der Regenbogenfahne – am Rathaus aufmerksam gemacht wird.

Ohne Bekleidung so sein, wie man ist, kann man in St. Pölten bereits seit vielen Jahren an einem ganz besonderen Ort: Am Westufer des Ratzersdorfer Badesees. Hier wird der Tradition des FKK-Badens ausreichend Platz eingeräumt, weshalb der Stadtexpress dem Thema in dieser Ausgabe einen besonderen Platz widmet.

In St. Pölten sind alle Menschen gleich – egal, ob nackt oder mit Badehose und egal, ob hetero- oder homosexuell. Und das ist auch gut so.

Ihr Stadtwolf

Ausgabe 722 – Mai 2022

Es gibt wieder viel zu tun!

Fünf Monate vor den ersten Maifeierlichkeiten 1890, schrieb die Arbeiterzeitung: „Vormittags Versammlung, nachmittags Erholen im Freien.“ So ähnlich halten wir es heute noch, wenn The Riding Dudes mit ihrer Hommage an Chuck Berry und Elvis Presley nach der Kundgebung für gute Stimmung am Rathausplatz sorgen werden. Selbst für die Jüngsten ist bestens gesorgt! Wie gewohnt wird es Attraktionen, wie z.B. einen Radparcour oder eine Hüpfburg geben, die für ein ganz besonderes Erlebnis sorgen werden. Demonstrieren und feiern vereint an einem Tag – das kann nur der 1. Mai. 

Ausgabe 716 – März 2022

Bam, Oida!

Oft sieht man ja sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Ähnlich kann es einem in St. Pölten gehen: Keine andere vergleichbare Stadt ist so grün, wie das rote Herz Niederösterreichs. Über 70 Prozent der Landeshauptstadt sind Grünfläche – also Parks, Wälder, Forstwege oder landwirtschaftliche Gebiete. Das nächste Grünland ist – egal wo man sich gerade aufhält – zu Fuß in weniger als fünf Minuten zu erreichen. Nun wird das zentrale Domfoyer neu gestaltet: Platz soll es dabei für alle bieten, und zwar beim Wochenmarkt, im Schanigarten oder bei Konzerten, die hier wieder in völlig neuer Qualität stattfinden sollen. 

Mit der Entscheidung, den Platz weitestgehend autofrei zu machen, hat die Stadtregierung Mut und Weitsicht bewiesen. Für die PKW-affinen Innenstadtgäste stehen Parkhäuser in unmittelbarer Nähe zur Verfügung, und auch eine Baumzeile sowie eine Sprühnebelanlage finden Platz am neuen Platz. 

Während die einen lieber weiterhin nur Autos am Domplatz sehen würden, wünschen sich andere einen Wald anstelle des multifunktionalen Konzeptes. Ersteres wäre alleine schon aufgrund des notwendigen Mobilitätswandels unklug, mehr Bäume wiederum aufgrund der Bodenverhältnisse nicht möglich. 

Der neue Domplatz ist also vermutlich nicht weniger als der klügste Kompromiss für alle St. PöltnerInnen mit unzähligen Möglichkeiten für die Zukunft.

Ihr Stadtwolf

Ausgabe 713 – Dezember 2021

Wünsch dir was

Es kommt die Zeit, in der das Wünschen wieder hilft: So lautet jedenfalls der Refrain eines bekannten Liedes, das sich rund um Weihnachten großer Beliebtheit erfreut. Im 2. Jahr mit dem neuartigen Coronavirus bekommt dieses Zitat jedenfalls eine ganz besondere Bedeutung. 

Wir alle wünschen uns wohl nichts sehnlicher als ein Ende dieser Pandemie. Dass Sebastian Kurz selbige bereits im Sommer mittels teurer Inseratenkampagne für beendet erklärt hat, dürfte das Virus offensichtlich verschlafen haben. Ebenso wie die türkis-grüne Regierung verschlafen hat, sinnvolle Pläne für den Winter auszuarbeiten. 

So sind wir in die schlimmste Situation seit Beginn der Pandemie geschlittert. Innerhalb von 96 Stunden wurde unser Land von „Lockdown für alle ist ausgeschlossen“ zu dem geführt, wo wir jetzt sind – im Lockdown für alle. Kommuniziert wurde dies wieder einmal chaotisch und für alle Betroffenen ohne jegliche Vorbereitungszeit oder klares Konzept.

Wenn also die Pandemie nicht weggeht, dann wünsche ich mir zumindest ehrliche Politik mit Weitsicht, mehr Geld für medizinische Einrichtungen und Personal sowie einen fairen Lohnabschluss für alle ArbeitnehmerInnen. 

„Ich glaube, dass die Welt sich noch mal ändern wird.
Und dann Gut über Böse siegt.“

(Wünsch dir was – Die Toten Hosen, 1993)

Ihr Stadtwolf

Ausgabe 710 – Oktober 2021

Verkehr(t) gedacht

1.500 AktivistInnen beim internationalen Klimastreik in St. Pölten zeigen klar: Politik und Gesellschaft müssen die vorherrschenden Probleme und Sorgen ernst nehmen. Der Klimawandel ist real und ein Umdenken ist notwendig.

Viel diskutiert ist dabei auch die sogenannte Mobilitätswende. Was ist damit aber eigentlich gemeint? In aller Kürze: der Umstieg auf alternative Verkehrsmittel bzw. öffentlichen Personen-Nahverkehr. Und wer ist dabei nun gemeint? Ganz zynisch: immer die anderen.

Sieht man sich nämlich an, was frühmorgens vor Schulen oder entlang der B20 los ist, so zeigt sich in der Realität ein anderes Bild: Blechlawinen soweit das Auge reicht. Die zurückgelegte Strecke beträgt dabei oft weniger als zwei Kilometer. Hinzu kommen jene Personen, die schlichtweg kein effizientes Öffi-Angebot verfügbar haben.

Ein Wandel kann also kurz- bis mittelfristig nur durch strikte Einschränkungen wie Einfahrtsverbote und einen sofortigen, umfassenden Öffi-Ausbau gelöst werden.

Während gerade die Nord-Süd-Achse St. Pöltens oft im Verkehr zu ersticken droht, wird von den zuständigen Stellen bei Bund und Land weiterhin der Ausbau der Öffis im Zentralraum rausgeschoben. Mitziehen können so nur Privilegierte, die sich das doppelt so teure E-Auto, die Wohnung im Zentrum oder einfach einen gemütlichen Arbeitsweg leisten können.

Ihr Stadtwolf

Ausgabe 705 – Juni 2021

Im Abseits

Mehr als eine kleine Unsportlichkeit ist es, wissentlich zu lügen. Diesen Vorwurf prüft aktuell die Staatsanwaltschaft bei einem hochrangigen Bundespolitiker. Gegen andere Mitglieder dieser Bundesregierung laufen ebenfalls Ermittlungen – von illegalem Posten-schacher bis hin zum Vorwurf der Korruption gehen diese. Dass sich manche Personen offenbar über geltendes Recht stellen wollen, ist ein grobes Foul an der Republik. Wenn für solche Personen dann auch noch Abfindungen von hunderttausenden Euro Steuergeld selbstverständlich sind, sollten die Alarmglocken schrillen.

Wenn dieser Weckruf ausbleibt, kann es schnell zu spät sein. Das musste St. Pöltens Bundesliga-Fußballclub schmerzvoll erfahren. Allen mahnenden Signalen der letzten Jahre zum Trotz wurden dort bis zuletzt ausgewählte Personen mit guten Verträgen und Privilegien ausgestattet, die Mitglieder wandten sich ab und der sportliche Erfolg blieb aus. Das ernüchternde Resultat: Ein Abstieg, der zuletzt kaum noch jemanden interessierte und noch weniger wunderte.

Was Bundesregierung und SKN gemeinsam haben: Beide stehen inzwischen im Abseits, beide sollen uns nicht egal sein. Aber: Sie brauchen endlich wieder Bodenhaftung und müssen dringend wieder mit ihrer Basis auf Augenhöhe interagieren, sonst sind wir bald nicht nur moralisch in der untersten Spielklasse angekommen.

Ihr Stadtwolf

Ausgabe 698 – Jänner 2021

Nur ein Prozent.

Die Stadt wächst behutsam und um rund 0,8 Prozent im Jahr. Nicht einmal 1 Prozent qualitatives Wachstum ist jedenfalls genau so viel, dass die Stadt nicht schrumpft. Das würde nämlich bedeuten, dass zentrale Institutionen von Medizin bis Handel nicht hier bleiben könnten oder sich gar nicht erst ansiedeln.

Für manche ist das aber vor der Wahl plötzlich zu viel – die gleichen, denen vor einigen Jahren 1,4 Prozent Wachstum zu wenig war. „Da geht mehr“, hieß es damals noch. Einige Prozent Verlust bei der letzten Wahl führten zum Strategiewechsel.

Jetzt heißt es von den gleichen Personen: „St. Pölten muss St. Pölten bleiben.“ Gemeint ist jenes St. Pölten, das in den letzten 16 Jahren von Bürgermeister Matthias Stadler gestaltet wurde. Ein klarer Plan für die Zukunft und seine Liebe zur Landeshauptstadt überzeugten die St. PöltnerInnen.

Ideen, wie freier Zugang zu den Viehofner Seen oder der Kampf um das 140 ha große Naherholungsgebiet beim GÜPL bestätigten das Stadtoberhaupt in seiner Arbeit. Nun präsentiert er weitere Visionen für die St. PöltnerInnen, wie einen naturnahen See im Süden oder einen zusätzlichen Park im Norden.

Ein Prozent kann entscheiden, ob es mit Konzept und Weitblick weitergeht, oder ob auch St. Pölten ein türkises Fähnchen im Wind der großen Landes-Volkspartei wird, wo bereits jetzt fast 70 Prozent aller neuen Wohnungen von ÖVP-nahen Genossenschaften gebaut werden.

Ihr Stadtwolf

Ausgabe 692 – Dezember 2020

Ein Lichtlein brennt.

Advent, Advent! In St. Pölten sorgen neuerdings abertausende Lichtpunkte aus biologischem Material für eine besonders stimmungsvolle Vorweihnachtszeit. Beinahe 600 sind es, die alleine den 20 Meter hohen Christbaum am Rathausplatz erhellen. Dieses Licht der neuen Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt soll Wärme und Zuversicht zu den Menschen bringen: nach dem zweiten Lockdown ein Stück Normalität in diesem ganz besonderen Jahr. Bei vielen kleineren Geschäften in Österreich sind nun endgültig die Lichter ausgegangen.

Und auch auf den Bühnen der Alpenrepublik ist es noch immer finster und still. Gleichsam strahlten die ganze Zeit über die Werbereklamen großer Konzerne bis in unsere Wohnzimmer und luden im Kanon von Globalisierung und Turbokapitalismus zu Online-Shopping bei chinesischen und amerikanischen Ramschläden.

Fast ein Jahr nach Beginn der Pandemie – und viele gefährdete Existenzen und Arbeitslose mehr – wurden nun Bundesregierung und Wirtschaftskammer tätig: Ein heimischer Onlineshop sollte kommen. Ein digitales Kaufhaus für Österreich, um die Konkurrenz aus den Karibik-Steueroasen zurückzudrängen. Leider waren in die Umsetzung nicht die hellsten Lichter eingebunden, und so blieb von diesem 600.000 Euro-Projekt nur viel Schein – und ein schaler Beigeschmack.

Ihr Stadtwolf

Ausgabe 689 – Oktober 2020

Gut geschlafen?

Gerade vor Wahlen werden ja auch in St. Pölten immer Personen und Interessensgruppen munter, die sonst das ganze Jahr über eher durch Abwesenheit brillieren. Dann nämlich zeigen sich die seltenen Exemplare der Spezies Politiker in ihrem buntesten Kleid: Von grün bis rosa sind diese „besseren Zweitwohnsitzer“ gekleidet und buhlen mit schreierischen Pressemeldungen um Stimmen und KandidatInnen für eine Wahl, die es noch gar nicht gibt. In der Landeshauptstadt nimmt dieses Schauspiel gar solche Ausmaße an, dass dieses Phänomen nämlich schon erkennbar ist, bevor noch ein Wahltermin feststeht. Dabei rütteln die LegionärInnen einander mit schrillen Rufen wach, sodass auch für niemanden mehr an Ruhe zu denken ist.

Wir St. PöltnerInnen lassen uns von schrillen Rufen und bunten Farben nicht vom Wesentlichen ablenken. Wir wissen, wer sich Tag und Nacht für unsere Anliegen und unsere Stadt einsetzt.

Wie ein schlechter Traum wirkt jedoch dabei ein ganz besonderer Ruf: Die Grünen, selbst in der Bundesregierung vertreten, rufen Gemeinden dazu auf, Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen. Und das, obwohl die Gemeinden dies in Eigenregie gar nicht dürfen und gerade die Grünen nur einen entsprechenden Beschluss im Bund fassen müssten: Ein Albtraum, wie hier zynisch politisches Kleingeld gewechselt wird. Gute Nacht!

Ihr Stadtwolf